Mainfranken - Juni 2005

Karte

25. Juni 2005: Zum ersten Mal nehme ich an einer Gruppenexkursion teil. Auf Einladung von Thomas Burckard vom Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) Hessen trifft sich eine kleine Gruppe auf dem Parkplatz der Musikhalle in Gambach, nördlich von Karlstadt am Main. Am oberen Ende des Parkplatzes beginnt der Weg durch das Naturschutzgebiet Grainberg-Kalbenstein, auch als die "Karlstadter Trockengebiete" bekannt.Karlstadter Trockengebiete

Durch einen lichten Mischwald geht es eine Steigung hinauf, bis wir über den Weinbergen auf eine eindrucksvolle Trockenrasenlandschaft stoßen. Dort findet sich direkt am Weg ein verblühter Frauenschuh (Cypripedium calceolus). Im Gras steht eine hohe Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), im unteren Blütenstand ist die Fruchtbildung schon erkennbar. Besonders beeindruckt bin ich aber von der Rotbraunen Stendelwurz (Epipactis atrorubens), die an vielen Stellen zwischen den Steinen zu sehen ist. Alle gehen auf die Knie, um den besonderen Vanilleduft ihrer Blüten zu erschnuppern.

Der Felsen fällt nach Westen steil ab, unten fließt der Main. Auf einer tieferen Terasse finden wir zahlreiche Orchis militaris (Helm-Knabenkraut), die nach der Blüte ihre prallen Fruchtstände in die Höhe recken. Einige Blüten wurden nicht befruchtet, hier ist nur der immer noch gedrehte, verwelkte Fruchtstand zu sehen. Zwischen den Orchideen finden sich zahlreiche weitere interessante Blütenpflanzen wie die Ästige Graslilie (Anthericum ramosum) oder die Sommerwurz (Orobanche).                  

Der Main bei GambachAuf dem Rückweg zum Parkplatz finden wir im Wald eine knospende Stendelwurz, bei der die Fachleute rätseln dürfen, ob es sich wohl um eine Epipactis helleborine oder um eine Epipactis leptochila handelt. Mit dem Auto fahren wir dann über Karlstadt auf die andere Mainseite, und auf der Landstraße nach Lohr halten wir an einem Parkplatz. Von hier aus geht es in das erst 2002 geschaffene Naturschutzgebiet Mäusberg-Rammersberg-Ständelberg, das sich über eine Fläche von immerhin 270 Hektar erstreckt. Hier wachsen 22 Orchideenarten, drei Enzianarten und so seltene Pflanzen wie der Diptam (Dictamnus albus), dessen nach Zitrone duftenden Früchte wir noch entdecken.Diptam

Wir befinden uns in einer wildromantischen trockenen Landschaft, wie man sie sonst nur am Mittelmeer vermuten würde. Über der Wiese tummeln sich Perlmutterfalter und Kaisermantel. Wir entdecken noch einige Gymnadenia conopsea sowie Fruchtstände von Knabenkräutern. Schließlich gelangen wir in einen dichten Nadelwald mit verblühten Waldvögelein und Frauenschuh-Orchideen. Am Waldrand treffen wir erneut auf die Rotbraune Stendelwurz, und auf einem Weg entdecken wir sogar eine halb verblühte Bienenragwurz (Ophrys apifera).

Unweit von einer Eingangstafel zum Naturschutzgebiet blüht eine Gruppe von Türkenbund-Lilien (Lilium martagon). Und kurz vor dem Parkplatz wächst im Wald wieder eine knospende Stendelwurz - hier lohnt es sich, zu anderen Jahreszeiten wiederzukommen.