Kaiserstuhl und Franche Comté - Mai 2005
18./19. Mai 2005: Nach der Übernachtung auf dem kleinen Campingplatz des Gasthauses "Zum Adler" in Breisach-Hochstetten breche ich in den Kaiserstuhl auf: An einem ungewöhnlich kühlen und windigen Morgen - das Thermometer am Gasthaus zeigt nur sechs Grad an - geht es über Altvogtsburg Richtung Oberbergen zu einem Parkplatz rechts an der Straße. Hier beginnt an einem Felsabhang ein steiler Weg ins Naturschutzgebiet Badberg.
Affen-Knabenkraut
Schon bald nach Beginn der Wiesenfläche ist am Wegrand das seltene Affenknabenkraut (Orchis simia) zu sehen - teils in voller Blüte, teils noch mit Knospen im dicht besetzten Blütenstand. Bei bedecktem Himmel müssen die ersten Fotos noch mit zusätzlichem Blitzlicht aufgenommen werden; die Brennweite von 105 mm des Makro-Objektivs (Sigma) an der Nikon D70 ermöglicht auch Aufnahmen aus der Distanz.
von oben nach unten...
...beginnt das Affen-Knabenkraut (rechts) zu blühen - im Unterschied zu allen anderen Knabenkraut-Orchideen, bei denen die Knospen wie hier beim Helm-Knabenkraut von unten nach oben aufgehen. Die Gründe für diese botanische Besonderheit sind nicht bekannt.
Himantoglossum hircinum
Der schmale Pfad schlängelt sich zum Kammweg hinauf, der in nordöstlicher Richtung weiterführt. Auf dem Magerrasen sind auch wieder Anacamptis pyramidalis, Neotinea ustulata und das gerade erst erblühende Himantoglossum hircinum zu sehen - auch dieses von unten nach oben. In rund 400 Metern Höhe ist die Natur noch nicht so weit wie im Rheintal bei Taubergießen. Auf der Höhe von Schelingen geht es wieder hinauf zur Haselschacher Buck, wo am Weg anfangs nur wenige Orchideen zu sehen sind. Da die Wolkendecke langsam aufbricht, kommen aber die Schmetterlinge wie der Kleine Heufalter oder der Brombeerzipfelfalter heraus.
Smaragd-Eidechsen und Brand-Knabenkraut
Auf dem weiteren Weg zwischen Wald und Magerrasen sonnt sich eine Smaragd-Eidechse. Das letzte Stück des Weges, oberhalb eines Weinbergs gibt es wieder mehr Orchideen zu sehen: Orchis simia, das zur Orchidee des Jahres 2005 erklärte Brandknabenkraut (Neotinea ustulata), Anacamptis pyramidalis und auch eine Gruppe von Ophrys sphegodes. Der Weg endet am Parkplatz Vogelsang - von dort geht es der Straße entlang über Altvogtsburg zum Ausgangspunkt zurück.
Die Geschichte des Badbergs
"Nach dem Dreißigjährigen Krieg brach die Landwirtschaft im Kaiserstuhl weitgehend zusammen. Der Umfang des mittelalterlichen Rebenanbaus war erst in den 1970er Jahren wieder erreicht. Damals wurden im Zuge der Flurbereinigung neue, größere Terrassen mit höheren Böschungen geschaffen. Die Nutzung der alten Wiesen zwischen den Rebflächen und dem Wald ging nach Aufgabe der Viehhaltung seit 1950 dramatisch zurück."
"In den 70er Jahren lagen fast alle Wiesen des Kaiserstuhls brach. Seit Mitte der 70er Jahre werden diese wertvollen Flächen - anfangs nur am Badberg - von der staatlichen Naturschutzverwaltung gemäht. Zum Teil müssen die immer wieder vordringenden Bäume und Sträucher entfernt werden." (Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg)
Bei den Waldvögelein im Liliental
Zweites Tagesziel ist das Versuchsgelände Liliental der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Hier entstand nordöstlich von Ihringen auf einem ehemaligen Gutshof ein Refugium für zahlreiche Orchideenarten. Auf Lößboden mit hohem Kalkgehalt wachsen in lichten Wäldern hunderte von Orchideen - unter anderem Anacamptis pyramidalis, Orchis militaris, Neotinea ustulata, Orchis purpurea, Orchis simia, Himantoglossum hircinum, Neottia ovata, Platanthera bifolia, das Schwertblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) und Cephalanthera damasonium. Von der Ausflugsgaststätte aus schlängelt sich der Weg Nr. 3 in nördlicher Richtung eine leichte Steigung hinauf. Übersichtstafeln zeigen an zwei Stellen eine "Orchideenwiese" an. Aber schon vorher sind am Waldrand auf der rechten Seite die ersten Anacamptis-Orchideen zu sehen. Das Areal wirkt wie ein großer englischer Landschaftsgarten.
Der ehemalige Lilienhof bei Ihringen wurde 1957 von der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg erworben. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) legte hier zahlreiche Samenplantagen sowie eine Sammlung von Bäumen und Sträuchern an. Der Lößboden mit einem hohen Kalkgehalt bildete die Voraussetzung für einen reichhaltigen Orchideen-Standort - hier finden sich insbesondere die Arten der Biotop-Gattung Orchideen-Buchenwald.
Löß ist eine Windablagerung aus Sanden der Oberrheinischen Tiefebene. Charakteristisch für das Liliental sind die Hohlwege durch den Wald und die sich darüber erhebenden Terrassen.
In der Franche Comté
Am 19. Mai entschließe ich mich bei endlich warmem Sonnenschein zu einem Abstecher nach Frankreich: Westlich von Mulhouse beginnt die Region der Franche Comté, und kurz vor Belfort soll es auf dem Gebiet der Gemeinde Chèvremont eine "pelouse des orchidées", eine Orchideenwiese geben. Ein freundlicher Bewohner führt mich hin - an der Straße nach Vezelois geht es nach rechts einem Hinweisschild "Stade" folgend und auf die Felder hinaus, dann links zu einem Tennisplatz am Waldrand. Dort erstreckt sich auf einem ehemaligen Militärgelände eine Pfeifengraswiese mit zahlreichen feuchten Mulden.
Auf dem etwas verwahrlosten Gelände ohne jedes Hinweisschild auf ein Naturschutzgebiet wachsen - dem früheren Bestimmungszweck entsprechend - zahlreiche Orchis militaris, vereinzelt aber auch das selten gewordene Kleine Knabenkraut (Anacamptis morio), das Stattliche Knabenkraut (Orchis mascula) und die Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride). Truppenübungsplatz zu Orchideenwiese - das ist doch mal eine interessante Variante von "Schwerter zu Pflugscharen". Allerdings ist die Wiese von vordringender Verbuschung gefährdet. Auf der anderen Seite des Zufahrtwegs liegt im Wald versteckt eine weitere Wiese mit Knabenkräutern. Auf der Rückfahrt komme ich weiter südlich nach Ferrette im Französischen Jura, wo die Umgebung mit wildromantischen Kalkfelsen orchideenträchtig zu sein scheint. Einem Wanderweg zur Kanzel (600 m) folgend findet sich im Buchenwald eine noch nicht erblühte Platanthera bifolia und eine Orchis mascula.