Schwarzwald - Juni 2004

Hüfingen, WaldlehrpfadIm östlichen Schwarzwald haben sich einige der schönsten Standorte heimischer Orchideen erhalten. In einem kleinen Naturschutzgebiet westlich von Donaueschingen, bei Hüfingen, führt ein Weg durch einen aufgelockerten Mischwald, der allerdings auch am 12. Juni 2004 noch die Spuren der Verwüstung durch den Orkan "Lothar" (1999) zeigt. Die Bestände von Cypripedium calceolus, der einzigen Frauenschuh-Art in Mitteleuropa, haben aber offenbar kaum gelitten.

Vom Weg aus kann man einige Gruppen erkennen, viele Pflanzen auch mit zwei, drei oder mehr Blüten. Weitere Orchideen, auf die am Wegrand mit Schildern hingewiesen wird, sind nur vereinzelt zu sehen. Dazu gehören die Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), das Große Zweiblatt (Neottia ovata) und die Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis). Das Naturschutzgebiet ist zwar etwas abgelegen, erstreckt sich aber entlang einer großen Bundesstraße mit heftigem Autoverkehr. Am Anfang und am Ende des Gebiets liegen zwei Parkplätze. Da das Gebiet auch relativ klein ist, heißt es auf einem Schild am Eingang : "Es ist heute abzusehen, dass sich der Waldbestand langfristig nicht selbst erhalten kann."

Dactylorhiza majalisAm nächsten Tag erkunde ich zunächst einen Bachgrund bei Furtwangen, wo auf feuchten Wiesen viele Breitblättrige Knabenkräuter (Dactylorhiza majalis) wachsen. Dabei zeigen sich vielfältige Variationen dieser Art, darunter auch eine Pflanze mit gedrungenem und besonders breitblättrigen Wuchs. In dem Feuchtgebiet wachsen auch weitere für dieses Biotop typische Pflanzen wie der Fieberklee (Menyanthes trifoliata)

Ebenfalls am 13.6. will ich der Eigenwerbung der Ortschaft Stühlingen als "Heimat der Orchideen" auf den Grund gehen. Von Bonndorf aus geht es durch ein kleines Tal bis nach Schwaningen und dort rechts hinauf auf eine Hochfläche mit Getreidefeldern. Dahinter findet sich der Eingang zum Naturschutzgebiet Lindenberg. Das Staatliche Forstamt Stühlingen bittet darum mitzuhelfen, "die stark gefährdeten Pflanzen auf dem Lindenberg zu erhalten".

Wald bei StühlingenIn dem Orchideen-Buchen-Mischwald findet sich recht zahlreich das Schwertblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) mit seinen charakteristischen Blättern ebenso wie das Weiße Waldvögelein (Cephalanthera damasonium) und die Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia). Vereinzelt blüht auch noch der Frauenschuh (Cypripedium calceolus), aber nicht so häufig wie bei Hüfingen. Entlang des geführten Weges wachsen auch hier das Große Zweiblatt (Neottia ovata) und die Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis). Nach dem Breitblättrigen Knabenkraut am Morgen stoße ich im Wald auf das Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), mal mit einem besonders großen Blütenstand, dann wieder ganz klein und im Waldschatten mit auffallend blasser Blütenfarbe. Sieben verschiedene Orchideen-Arten entlang eines Weges von zwei Kilometern - damit hat sich Stühlingen seinen Zusatz als "Heimat der Orchideen" wohl verdient.

Karte