Wallis - Juli 2011


Weil die Sonne schon die Mittagshöhe anpeilt und Gewitter angesagt ist, laufen wir gleich los, durch den Wald den Berg hinauf. Sofort zieht uns die südalpine Flora in ihren Bann: Die gelben Blüten von Helianthemum nummularium (Sonnenröschen) und Potentilla aurea (Gold-Fingerkraut), die dunkelviolett blühende Bartsia alpina (Trauerblume) und die hellere Gentiana germanica (Deutscher Enzian), der weiß blühende Ranunculus aconitifolius (Eisenhutblättriger Hahnenfuß), Cerastium uniflorum (Einblütiges Hornkraut), das Salomonssiegel (Polygonatum odoratum), Veronica alpina (Alpen-Ehrenpreis), Dianthus carthusianorum (Kartäusernelke), Silene nutans (Nickendes Leimkraut), Thymus serpyllum (Feld-Thymian), Knautia dipacifolia (Wald-Witwenblume), Geranium sylvaticum (Wald-Storchschnabel), Cirsium spinosissimum (Alpen-Kratzdistel) und Arnica montana (Bergwohlverleih)
- das Notizbuch füllt sich schnell. Besonders fotogen wirken die rosaroten Blüten von Sempervivum montanum (Berg-Hauswurz).
Drei Kleearten wollen unterschieden werden: Lotus corniculatus (Hornklee), das weiß blühende Trifolium montanum (Berg-Klee) und Trifolium alpinum (Alpen-Klee). Dann lassen sich auch schön Glockenblumen-Studien betreiben: Bei Campanula scheuchzeri hängen die Knospen nach unten, bei Campanula rotundifolia stehen sie aufrecht. Eindrucksvoll sind die großen Glocken von Campanula barbata. Schließlich macht mich Klaus auch noch auf Campanula rhomboidalis aufmerksam, hier verläuft der Stängel nicht gerade, sondern mehrfach in andere Richtungen abknickend.
Die erste Orchidee, die wir sehen, ist eine Pseudorchis albida. Dann kommen bald Gymnadenia conopsea und Nigritella rhellicani hinzu. Die Region ist bekannt für ihre Farbvarietäten von Nigritella rhellicani. Wir sehen zuerst hellere Blütenköpfchen, in einem tiefen Rot, dann auch eine Pflanze mit rosa Blüten. Als wir höher hinaufsteigen, traue ich meinen Augen nicht: In einer Gruppe mit dunkelroten Nigritellen gibt es zwei Pflanzen mit blassgelben Blüten! Während wir dieses Wunder bestaunen und fotografieren, kommt auch die Gruppe von Ernst Frey vom Weg aus zu uns und freut sich mit am besonderen Fund.
Dann queren wir einen Skilift, laufen über ein Geröllfeld, bis wir einen Pfad in Richtung Rhonetal finden. Vereinzelt finden wir Hybriden von Gymnadenia conopsea und Nigritella rhellicani. In den größeren, leuchtend rotvioletten Blütenständen sind die Lippen der einzelnen Blüten weder nach oben wie bei Nigritella noch nach unten wie bei Gymnadenia, sondern diagonal bis waagrecht gerichtet. An einem kleinen Felsen halten wir Rast, schauen aber bald wieder weiter. Vereinzelt blüht hier auch Coeloglossum viride. An einem nach unten führenden Weg wachsen viele Pseudorchis albida und Nigritella - aber nicht die von Klaus vor zwei Jahren schon einmal gesehene Hybride von beiden.
Schließlich laufen wir auf gleicher Höhe noch etwas weiter in Richtung der Hütte La Remointsette. Hier überrascht uns am Wegrand eine
schöne Neotinea ustulata. Darüber blüht eine schöne zweifarbige Nigritella, oben hellrot, unten blassweiß.
Nach dem Abstieg reicht die Zeit noch für Rivella und ein Bier an der kleinen Holzbar des Hotels Plompras. Dann fährt Klaus ebenso wie Ernst und seine Gruppe mit dem Postbus ins Tal hinunter. Ich darf bleiben, zum Abendessen mit einem sehr feinen Carrée d'Agneau. Begleitmusik ist ein heftiger Gewitterregen, zeitweise fällt sogar der Strom aus.
Am Sonntagmorgen scheint wieder die Sonne, auf dem Balkon habe ich einen schönen Ausblick auf die Berge. Nach dem Frühstück geht es gleich wieder in den Wald hinein, wo mich die ersten Gymnadenia conopsea noch ganz durchnässt begrüßen. Auch eine einsame Trollblume (Trollius europaeus) blüht hier. Ich laufe zuerst zu dem Hang, auf dem die gelben Nigritellen waren. Die Suche ist nicht ganz einfach, aber schließlich finde ich sie dank einer neuen iPhone-App, die alle Funktionen bietet, die auch mein GPS-Navi von Garmin hatte, das gleich am Anfang der Krim-Reise kaputt ging. Ein wenig weiter finde ich eine dritte gelb blühende Nigritella, die aber schon am Abblühen ist.
Bei den Fotostudien bildet Laserpitium siler (Berg-Laserkraut) einen hübschen Farbkontrast zum schwarzroten Kohlröschen. Als ich gerade eine Nigritella rhellicani im immer noch flach einfallenden Licht fokussiere, landet ein Scheckenfalter auf ihr - das trifft sich doch gut. Als weitere Nigritella-Bestäuber sind eine Hummel und ein Widderchen aktiv.

Weiter laufe ich zur Berghütte La Remointsette und von dort aus zur Seilbahn. Ihr folge ich nach oben zur Station, wo in 2470 Metern Höhe ein Restaurant zur Mittagspause einlädt. Danach lockt mich der Wegweiser zum Illhorn-Gipfel.
Zuerst geht es seitlich an einer Kuppe nur leicht hinauf. Hier blühen auch noch viele Nigritellen, die in noch höheren Lagen aber immer spärlicher werden. Dafür sehe ich jetzt großblütige Viola biflora (Zweiblütiges Veilchen), Arnika und Margeriten. Vor dem letzten, dann etwas steileren Aufstieg öffnet sich zur Rechten der Blick auf den türkisfarbenen Ilmsee. Allerdings ziehen jetzt immer mehr Wolken auf. Dennoch habe ich auf dem Gipfel in 2717 Metern Höhe einen großartigen Blick ins tief unter mir liegende Rhone-Tal und auf die schneebedeckten Berge der Umgebung.

aber gelten einem gelben Papaver alpinus (Alpen-Mohn).Wieder im Dorf nehme ich an der kleinen Bar vor dem Hotel Plampras Abschied von Chandolin und seiner Bergwelt. Der Postbus bringt mich um 17.43 Uhr wieder ins Tal, nach Sierre. Von dort geht es mit dem Zug nach Visp und weiter nach Basel. Dort steige ich noch in den Nachtzug ein, nach 17 Stunden Fahrt bin ich schließlich zurück in Berlin.
Artenliste